Andacht für Dezember 2021

 

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!

Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.  Sacharja 2,14


Etwa 2500 Jahre ist er alt, unser Jubelvers aus dem Alten Testament und er erzählt von der großen Hoffnung auf das Kommen Gottes zu seinem Volk – und zu den Heidenvölkern.
Also auch zu uns.
Der Name „Sacharja“ bedeutet „Jahwe gedenkt“. Das war auch das Hauptthema seiner prophetischen Verkündigung, die uns in seinem Buch überliefert worden ist: Trotz aller Sünde und Untreue bleibt Gott Seinem Volk in Liebe und Gnade verbunden. ER hat sich sogar aufgemacht, um unter uns zu wohnen. Er zieht einfach ein. Sogar ungefragt – und ohne Einladung. Gott braucht keine Heilige Stätte. Kein festes Gebäude aus Steinen oder Beton! Vor 2000 Jahren wählte er einen zugigen Stall. Heruntergekommen war er: Der Stall. - Und Gott. Heruntergekommen in einem kleinen Baby.
Es ist Gottes Gegenwart, Gottes Friede, der einen Ort heilig macht. Damals ein Stall – bei uns ein Zimmer in einem Pflegeheim, ein Zelt in einem Flüchtlingslager, ein kleines Büro, ein Bett in der hintersten Eck eines Krankenhauszimmer. Überall wo Menschen wohnen, leben, leiden und arbeiten. Gott kommt und wohnt mit.
Schechina – das ist das hebräische Wort, das Sacharja benutzt für Gottes Kommen und Wohnen. Am besten lässt es sich so übersetzen: „Einwohnen. Sich einnisten.“
Gott nistet sich bei mir ein, nimmt immer mehr Raum ein. Füllt mich aus, weitet mein Herz und meine Liebe. Da hat die Liebe Hand und Fuß. Und leuchtende Augen. Jesus ist geboren! Christ, der Retter ist da! Da stimme ich ein: Tochter Zion, freue dich und sei fröhlich! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht Gott.

Ich spüre dennoch eine aufsteigende Skepsis. Kann man auf Kommando fröhlich sein? Wir haben nicht immer Grund zum Fröhlich sein. Mancher hat gerade jetzt eine schwere Zeit und es fällt ihm schwer, wenn überall etwas zu hören ist von “fröhlichen Weihnachten”, auch in der Gemeinde. Und wir sind auch vom Charakter her verschieden, nicht jeder ist nach außen hin so emotional, auch wenn er sich freut.
Aber uns alle ruft Gott zur Freude. “Denn – er kommt und will bei uns wohnen!”

Das kann eine Freude unter Tränen sein, vielleicht eine, die uns einfach den letzten, nötigen Halt gibt, dass wir in einer persönlichen Not das Vertrauen geschenkt bekommen, egal, wie hart wir geschlagen sind, seine Hand hält uns. Das kann auch eine tiefe Freude sein, mitten drin, wenn's einem gut geht, wenn man richtig aufgeht in der Advents – und Weihnachtszeit, und von Gott mit seinem Wort eine Freude geschenkt bekommt, die das alles durchdringt, die dem allen seinen Sinn gibt.
Fürchte dich nicht! Freue dich! Sei getrost! Das sind die Imperative der Entängstigung und Ermutigung. Sie durchziehen die biblischen Texte wie goldene Fäden. Gott ist mir ganz nahe in kranken und so schwachen Tagen, nistet sich bei mir ein. Solches Stillhalten und Gott-machen-Lassen ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil. Der Prophet Jesaja hat einmal gesagt: „Durch Stille sein und Hoffen seid ihr stark“ (Jesaja 30,15).
In uns als begrenzten und vergänglichen Menschen will Gott sich einnisten und wohnen. Auch wo mein Körper kein Tempel ist, sondern eher ein klappriger Stall, eine schäbige Bude; wo ich spüre, dass manches nicht oder nicht mehr geht.
Für Gott ist es genug, er nistet sich ein. Er wohnt bei dir und ist für dich da. Er heilt dich und kämpft für dich. Er rettet dich – und uns.
So wünsche ich euch allen eine gesegnete Weihnacht

und ein frohes und gesundes Neues Jahr 2022!

Andreas Regin