An(ge)dacht für Dezember 2022

 

 

 “Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!

Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“

Unser Bibelvers aus Sacharja 2,14 ist etwa 2500 Jahre alt. Er erzählt von der großen Hoffnung auf das Kommen Gottes zu seinem Volk – und zu den Heidenvölkern. Also auch zu uns. Wie ähnlich und doch auch anders ist das, was wir Christen in diesen Tagen feiern: Da ist auch die Freude „Oh du fröhliche!“ und Tochter Zion, freue dich! Gott hat sich aufgemacht, um unter uns zu wohnen. Er zieht einfach ein. Sogar ungefragt – und ohne Einladung. Gott braucht keine Heilige Stätte. Kein festes Gebäude aus Steinen oder Beton! Vor 2000 Jahren wählte er einen zugigen Stall. Heruntergekommen war er: Der Stall. - Und Gott. Heruntergekommen in einem kleinen Baby. Es ist Gottes Gegenwart, Gottes Friede, der einen Ort heilig macht. Damals ein Stall – bei uns in einem Wohnraum, im Zimmer eines Pflegeheims, einer Parkbank, einer Gartenterrasse, im Zelt eines Flüchtlingslagers. Überall wo Menschen wohnen, leben, arbeiten. Gott kommt und wohnt mit. Und da passiert etwas, davon erzählt Sacharja – und wir erleben es manchmal auch: Mauern fallen: Ob Hirte oder König, Handwerker, Obdachlose, Ministerin oder Erzieherin – sie alle finden zusammen, wachsen zusammen zu einer neuen Gemeinschaft. Weil Gott eingezogen ist und mit uns wohnt.

Schechina – das ist das hebräische Wort, das Sacharja benutzt für Gottes Kommen und Wohnen. Am besten lässt es sich so übersetzen: „Einwohnen. Sich einnisten.“ Gott nistet sich bei mir ein, nimmt immer mehr Raum ein. Füllt mich aus, weitet mein Herz und meine Liebe.

Da hat die Liebe Hand und Fuß. Und leuchtende Augen. Jesus ist geboren! Christ, der Retter ist da! Da stimme ich ein: Tochter Zion, freue dich und sei fröhlich! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht Gott. Wohnen – der Wortstamm hat ursprünglich die Bedeutung: „gernhaben, wünschen“. Wohnen ist Wonne: das, was höchste Freude und Lust offenbart. Gott will bei uns wohnen und das ist Grund zur Freude!

Aber kann man eigentlich auf Kommando fröhlich sein? Lässt sich Freude befehlen? Vielleicht reicht es noch für ein wenig “Galgenhumor“. Aber für Freude – für jene uns tiefer Grundstimmung, bei der unser Herz lacht, unsere Beine leicht werden und uns Flügel zu wachsen scheinen?

Der Bibel sind solche Bedenken fremd. Fürchte dich nicht! Freue dich!

Sei getrost! Das sind die Imperative der Entängstigung und Ermutigung. Sie durchziehen die biblischen Texte wie goldene Fäden.

Die Stadt, der der Prophet Sacharja das Freue dich zuzurufen hatte, sah allerdings nicht zum Freuen aus. Überall Ruinen und tote Fensterhöhlen. Der Staub der Trümmer lag noch in der Luft und durchdrang bei Wind jede Ritze. Der Tempel, Heiligtum Gottes, bot einen trostlosen Anblick. Man war gerade aus dem Exil in Babylon zurückgekehrt und stand nun vor der Aufgabe, das weitgehend zerstörte Jerusalem wieder aufzubauen.

Es verlangte sehr viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Tochter Zion wieder aufblühen und zu ihrem früheren Glanz zurückfinden könnte.

Aber aus dieser Zusage/Versprechen Gottes, hat das Volk Israel – SEIN Volk – bis heute, Kraft, Hoffnung und Mut geschöpft. Siehe ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Er will uns so nahe wie möglich sein, mitten unter uns will ER seinem Volk begegnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit! Seid herzlich gegrüßt mit den Worten, die uns als Losung durch das Jahr 2023 begleiten werden: "Du bist ein Gott, der mich sieht." (Genesis 16,13)

 

Euer Andreas Regin