An(ge)dacht für Februar 2023

 

 

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. (2. Petrus 1, 19)

 

Vor einigen Wochen erlebte ich während einer Männerbibelfreizeit einen ganz besonderen Augenblick: ein Teilnehmer erzählt etwas aus seinem Leben; die Augen leuchten, die Stimme bekam einen feierlichen Klang; wer zuhört, spürt:

da spricht jemand von dem, was niemals vergessen werden soll! Es war für diesen Mann enorm wichtig. Es mischte sich in die Erzählung auch noch der Satz:

„Ich war dabei, ich habe es selbst erlebt“ Das Ereignis hat Jahrzehnte zurück gelegen – es wurde durch die Erzählung wieder lebendig und gegenwärtig.

Im heutigen Bibeltext kommt ein Mensch zu Wort, der sich als lebenserfahrener Mann präsentiert. Viel an Menschenkenntnis und viel an Glaubenserkenntnis hat sich da angesammelt im zweiten Petrusbrief. Und: viel an Hoffnung speist sich aus einem beeindruckenden Erlebnis, das lange zurückliegt.

In fast poetischer Weise wird ein Lebensumstand beschrieben: Dunkle Nacht, nicht mal der Morgenstern ist zu sehen, vom Tagesanbruch ganz zu schweigen, und ein Wort soll der Hoffnungsschimmer sein. Allerdings, kein einfaches Wort, nein, ein prophetisches Wort. Ein solches Wort, sagt die Bibel, kommt direkt vom Herzen Gottes. Es wird einem Menschen in den Mund gelegt und er muss es aussprechen oder aufschreiben. So ging es schon den Propheten im Alten Testament. In Jesus aber war Gott selber mit seinem Wort unter den Menschen. Ich beobachte seit vielen Jahren zunehmend, dass es vielen Christen die Sprache verschlagen hat. Sie reden über alles – nur nicht über ihren Glauben. Sie bleiben als Christen im Alltag am liebsten „inkognito“, melden sich nicht zu Wort, mischen sich nicht ein. Sie werden hilflos und verlegen, wenn man sie auf ihren Glauben anspricht. Das war nicht immer so. Christen der Urgemeinde – „ungelehrte und einfache Leute“ – bekannten immer und immer wieder: „Wir können‘ s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“

Wir Heutigen können es offenbar gut lassen, über unseren Glauben zu reden. Oder, was haben wir erlebt in unserer Beziehung zu Gott? Wo und wie bin ‚ich dabei gewesen‘?

Menschen, zu denen ich Kontakt habe, interessieren keine der sogenannten ewigen Wahrheiten der Dogmatik. Sie werden aber hellhörig, wenn sie merken, was die biblische Botschaft mit meinem Leben zu tun hat. Das sind Gespräch über den Glauben in einem gemeinsamen Lebensumfeld – am Arbeitsplatz oder am Lebensort (Fahrstuhl, Gartenzaun, Markt, Parkbank). Solche Gespräche ‚gelingen‘ am besten, wenn sie eingebettet sind in eine Beziehung. Ohne Beziehung bleiben unsere Worte Eindrücke wie die Tagesschau. Im Gespräch von Mensch zu Mensch ist meine persönliche Position gefragt. Darum ist es wichtig, „ich“ zu sagen. In solchen Gesprächen stehe ich für das ein, was ich sage.

Etwa um 75 n. Chr. wurde dieser Brief an sogenannte „Heidenchristen“ geschrieben, also an Menschen ohne Wurzeln im jüdischen Glauben. In einer politisch wie auch wirtschaftlich schwierigen Lage hatten sie alle Hoffnung auf Veränderung in ihrem christlichen Glauben verankert, das große Ziel vor Augen, Jesus, der Messias, würde wiederkommen und endlich ein neues und gerechtes Reich aufrichten. Aber nichts geschah. Jahre vergingen, die ersten Zeugen starben, ein Generationswechsel nach dem anderen fand statt. Zweifel wurden groß. Waren sie einer Lüge aufgesessen, einem Märchen, zu schön, um wahr zu sein? Der Verfasser des Briefes hat seinen Glauben, seine Hoffnung noch nicht verloren und er versucht, seine Erinnerungen wach zu halten und sie den Menschen nahe zu bringen. „Wisst ihr nicht mehr?“

So schreibt er in dem Brief kurz vor unserem Vers: „Es gab doch diesen Moment, diese eine Vision zwischen Himmel und Erde, hoch im Gebirge. Jesus stand im Licht Gottes und wir bekamen eine Ahnung davon, wer er wirklich ist. Gottes Wort traf unser Herz: Dieser ist mein Sohn! Werft euer Vertrauen nicht weg. Auch wenn der Morgenstern vorerst nur im Herzen aufgeht, so ist doch nicht alles verloren.“

 

Manchmal sind wir angewiesen auf die Glaubensstärke anderer. Manchmal sehen wir das Licht nicht mehr, nicht mal ein kleines. Wenn doch dann ein prophetisches Wort gesprochen würde, eines, das vom Herzen Gottes kommt, egal wer es spricht oder schreibt oder singt…

Gottes Geist, seine Gedanken und Worte haben noch immer Kraft, noch immer die Fähigkeit zu trösten, zu halten, zu versichern, dass die letzte Wahrheit doch bei IHM zu finden ist. Wollen wir nicht aufhören, das zu glauben und zu hoffen, für uns und für andere, dazu helfe uns Gott.

 

Andreas Regin