An(ge)dacht für Juni 2024

 

Glaube ist doch Käse!

Nach dem Besuch am vollen Käseregal vor einiger Zeit, ging ich mit einigen Fragen nach Hause. Quark oder Parmesan? Welchen Reifegrad hat mein Glaube? Wenn jemand sagt: „Glaube ist doch Käse!“, dann stimme ich ihm zu. Glaube ist wirklich Käse! Käse muss reifen und so muss es der Glaube auch.                                       Als ich bei euch war, schreibt Paulus an die Christen in Korinth, konnte ich nicht so mit euch reden, wie ich es mit Menschen, die im Glauben gewachsen sind, getan hätte. Ich musste mit euch reden, (…) als wärt ihr kleine Kinder im Glauben. Ich musste euch mit Milch ernähren statt mit fester Nahrung, die ihr noch nicht vertragen hättet. (1. Korinther 3,1-2)

Milch ist die Grundlage für jeden Käse. Und wie bei Babys kann man da auch erst mal nicht viel falsch machen. Wer jung im Glauben ist, darf mit reichlich Milch abgefüllt werden. Nichts ist von mehr Frieden erfüllt als ein satter Säugling. Mit der Zeit fängt der Säugling dann an zu brabbeln. Dabei kommt allerhand Halbvergorenes heraus, aber kein Käse. Meist plappert es nach, was es gehört hat, und mit der Zeit beginnt es auch, einen gewissen Sinn damit zu verbinden. Dieser Glaube hat eine quarkige Konsistenz, Magerstufe. Etwas fester als Milch, leicht säuerlich, dafür schön streichzart. Sehr gut schmeckt dieser Glaubensquark, wenn Früchte beigemischt sind (Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung und v i e l e Erdbeere). Dieser Glaube ist unbeschwert, schmackhaft und bekömmlich. Irgendwann aber kommen die meisten aus dem Quark. Die einen reifen weiter, aus anderen wird Mozzarella. Dieser schwimmt zwar in einer salzigen Lake, schmeckt aber selbst nach nichts. Er hängt vom geschmacklichen Beiwerk anderer Zutaten ab, als Caprese oder im Salat. Unauffällig, aber immerhin proteinhaltig.

Glaube, der sich in Richtung Gouda, Edamer oder Maasdamer entwickelt, hat meist eine angenehme Konsistenz und einen erkennbaren Eigengeschmack, ohne aufdringlich zu sein. Das ist Glaube, mit dem sich die meisten ganz gut arrangieren können. Er stört nicht auf dem Abendbrottisch, die meisten essen ganz gerne mal davon.

Es gibt weltweit schätzungsweise 5.000 verschiedene Käsesorten!

So viele Möglichkeiten zu reifen! Mancher Glaube wird zu Weichkäse, der auf der Zunge zergeht, mancher wird hart, so dass er erst zerrieben werden muss, um genießbar zu sein. Es gibt Roquefort-Glauben, den manche delikat und edel finden, anderen hingegen stinkt er. Besonders lange reift der Parmesanglaube. Sein Aroma ist angenehm und er ist sich trotz der langen Reifezeit nicht zu schade, schnöde Spaghetti zu würzen. Dieser Glaube ist erprobt und zerfließt nicht sofort wie ein Schmelzkäseglaube, wenn es mal etwas heißer wird.

Nun ist Käse in den meisten Fällen eine ziemlich fette Sache. Auch manch ein Glaube kann zu viel Fett i.d.Tr. enthalten, dann wird er träge, mitunter schwer verdaulich. In einem solchen Fall ist eine Quarkdiät zu empfehlen. Zurück zu den Ursprüngen, zu mehr Einfachheit und Leichtigkeit. Auch Edelschimmel rettet da nichts mehr. Manchmal verfettet der Glaube oder wird ranzig.

Wie mein Arzt dann bei Übergewicht zu Bewegung und gesunder Ernährung rät, muss auch ein ungesunder Glaube auf Diät gesetzt werden, damit er entschlackt und neu reifen kann.

> Übrigens: Egal, zu welchem Käse der Glaube heranreift, ob er gut schmeckt oder zum Himmel stinkt, eine Sache gehört grundsätzlich dazu – das Brot des Lebens. Das ist Grundlage für jeden Käse.

Und nun die Frage an dich heute: Welcher Belag, welcher Aufstrich bist du gerade? Frischkäse oder Limburger? Redest du Quark oder hobelst du Hartkäse? Wonach schmeckt dein Glaube?

 

Andreas Regin