Andacht für Oktober 2021

 

Lasst uns aufeinander achthaben

und einander zur Liebe und zu guten Werken anspornen.
(Hebr. 10,24)


Kennt ihr das? Was ihr aus eurer inneren Überzeugungskraft heraus anpackt, weil es eurer Idee entspringt und es für gut befunden habt, das gelingt um einiges besser und geht daher trotz Anstrengung leichter von der Hand. Klar. Denn wozu ich mich bewusst entscheide, darin liegt eine ganz besondere Kraft. Diese Kraft bringt mich auch ans Ziel.
Diese sogenannten intrinsisch motivierten Taten, also aus der eigenen Person, aus dem Inneren entspringende Taten, sind nicht von außen motiviert. Wer aus sich heraus handelt, der strebt nicht nach Goldsternchen und Abzeichen, nicht nach Anerkennung und Ansehen, sondern entwickelt einen eigenen Willen und Lebensmut, um etwas zu bewirken in der Welt und sein Leben und sein Umfeld zu gestalten. Aus sich heraus. Aktiv.
Doch brauchen wir nicht auch die extrinsische Motivation? Also, den Antrieb, der uns wie ein Impuls von außen erreicht und schließlich in uns auf fruchtbaren Boden fällt? Ja. Gewiss. Und dann lässt sich fragen: War meine eigene Motivation heraus zuerst da oder ist sie nur da, weil mich jemand von außen dazu motiviert hat und ich das für gut befunden habe?
In gewisser Weise ist die Antwort egal. Sie ist gleich gültig. Ob so oder so. Henne oder Ei. Es zählt wohl zu aller erst, ob meine Haltung und mein Antrieb mir allein dienen und dazu vielleicht noch andere verletzt, ausgrenzt und herabsetzt oder ob mein Handeln, so frei und voller Liebe aus mir heraus geschieht, das es sowohl mir und den Menschen in meiner Umgebung gut tut. Mich und uns alle aufbaut, voranbringt, in positiver Weise antreibt, das Gute zu verstärken.

Wie ist das bei dir? Was treibt dich und warum? Tust du das was du tust, weil

du anderen gefallen, ein „Sternchen“ bekommen und positiv auffallen willst? Aber du dich letztlich mehr tot als lebendig dabei fühlst? Leer und sinnlos?
Oder treibt dich tief im Herzen eine tiefe Freude und Liebe an, die aus dir

heraus fließt, die nichts bezwecken will für deine Zwecke, sondern nur anstecken will zu noch mehr Liebe und zu noch mehr Gutem in der Welt einfach, weil du spürst, dass es genau richtig ist, was du tust und dass du richtig bist und in Übereinstimmung mit dir selbst und deinen Werten handelst?
Der Verfasser des Hebräerbriefes scheint zu wissen, dass das Gute und die Liebe in der Welt immer auch einen Verstärker brauchen. Er ist der Ursprung aller menschlichen Liebe und aller guten Werke. Und dieser ist Gott.

Er steckt hinter all der Liebe, die in der Welt existiert. Denn Er hat uns zuerst geliebt, weil er Liebe ist. Durch seine Liebe zur Welt erfahren wir, was Liebe bedeutet. Wie sie aussieht. Welchen Duft sie verströmt und wie sie sich anfühlt. Jesus Christus, sein Sohn, ist Liebe in Aktion.
Wer diese Liebe erfahren hat, wer erlebt hat: Ja, Gott hat mich zuerst geliebt!, der wird auch erfahren haben: Diese Liebe verändert das ganze Leben. Spürbar. Nachhaltig. Schritt für Schritt. Je öfter und intensiver ich mich ihr aussetze, desto stärker wird sie ein Teil von mir. Sie wird zu einem prägenden Charakterzug. Und nur darum können und sollen wir einander anfeuern. Ermutigen. Ermuntern, ja, anspornen zu mehr guten Taten und zu mehr Liebe untereinander und in dieser Welt. Nicht, damit wir Abzeichen und Sternchen sammeln, sondern damit Gottes Liebe zu der treibenden Kraft in der Welt, unter uns Menschen und Geschwistern wird und zunimmt.

Wie wäre es, wenn wir an jedem der 31 Tage des Oktobers, uns eine tägliche Liebesübung überlegen und am Ende des Tages zurückblicken und uns freuen über die Liebe und das Gute, das wir empfangen haben und das wir weiter geben konnten?
Gott gebe uns dazu Gelingen an jedem neuen Tag. Er lasse Liebe in uns wachsen und mache uns bereit, seine Liebe zu empfangen. Liebe für uns selbst, für einander und unsere Welt in der wir leben, von der wir ein Teil sind.
Also: Lasst uns aufeinander achthaben und einander zur Liebe und zu guten Werken anspornen.

 

Eure Pastorin Julia-Kathrin Raddek