An(ge)dacht für Oktober 2022

 

“Was der Mensch sät, das wird er ernten“, heißt es im Galaterbrief (Gal. 6,7). Dahinter steckt ein Versprechen, aber auch eine Warnung. Unser Verhalten bestimmt darüber, ob wir Gutes oder Schlechtes säen – und dann auch ernten dürfen. Beim Erntedank geht es um das, was die Erde hervorbringt – Getreide, Obst, Gemüse. Jedes Jahr staune ich erneut über den Jahreslauf der Pflanzen, die sich aus winzigen Samenkörnern zu großen, mächtigen Gewächsen entwickeln, ernährt von Licht und Wasser.

Auch in uns Menschen können Samenkörner aufgehen. Manchmal spüre ich direkt, wie schöne Erlebnisse oder gute Nachrichten in mir Sonnenblumen aufgehen lassen. Umgekehrt erzeugen böse Worte, Gedanken oder Ärger kleine Sofortwüsten.

Das Wort Getreide stammt aus dem mittelhochdeutschen "getregede" und hat die Bedeutung von "das von der Erde Getragene". Der Anbau von Getreide ist Ausdruck von Kultur. Die "echten" Getreidearten sind Kulturpflanzen, die zur menschlichen Ernährung, als Viehfutter oder auch als Rohstoff zur Herstellung von Genussmitteln und technischen Produkten kultiviert werden. Schon seit über 10.000 Jahren ist der Anbau von Getreide ein fester Begleiter des Menschen. Mangel an Lebensmitteln ist für die allermeisten Menschen in Deutschland kein Thema mehr. Eher die Frage, wo es die billigsten Schnäppchen gibt oder wo die Milch fünf Cent günstiger ist. Die Regale der Supermärkte scheinen von leckeren und gleichzeitig bezahlbaren Produkten überzuquellen. Ebenso die Bücherregale mit Ernährungsratgebern und Diätvorschlägen. Es gibt bei uns nahezu alles zu allen Jahreszeiten. In einer globalisierten Welt muss auch im Dezember nicht auf Erdbeeren und im Sommer nicht auf Orangen verzichtet werden. Die Menschen in der westlichen Welt leben heute in solch einem Überfluss, dass sie es sich wie in Deutschland leisten können, pro Jahr rund 80 Kilogramm Lebensmittel in den Müll zu werfen – pro Person wohlgemerkt.

Der Herbst ist gekommen, die Ernte ist eingefahren – nun ist es Zeit von Herzen, Danke zu sagen. Schon im Römischen Reich, im antiken Griechenland und in Israel gab es Feste zur Erntezeit. Wir säen und ernten und tragen Verantwortung dafür, wie wir es tun. Doch für "Wachstum und Gedeihen" brauchen auch wir im Leben "des Himmels Hand" (Matthias Claudius). Und wir haben es selbst in der Hand, welche Saat wir verbreiten. Das gilt für die Umwelt ebenso wie für das tägliche Miteinander.

Ich bin davon überzeugt, dass Glück nicht von der Fülle der Dinge abhängt, die ein Mensch besitzt, sondern von seiner Fähigkeit zur Dankbarkeit. Jesus spricht: „Ich bin da“… ich bin das Brot, ich stille den Hunger nach Leben, ich erfülle dein Herz. Wenn wir diese Zusage, dieses Wort Gottes in uns aufnehmen, dann stärkt es in der Gegenwart und gibt Kraft für alles, was kommt.

Viele herrliche Herbstblüten wünsche ich uns allen.

 

Euer Andreas Regin