Kaum hat das Kirchenjahr begonnen, geht es Schlag auf Schlag: Advent. Weihnachten. Epiphanias. Passionszeit. Ostern. Himmelfahrt. Pfingsten. Das nächste Fest steht schon vor der Tür, während das letzte noch nachklingt.
Und dann? Trinitatis.
Plötzlich scheint das Kirchenjahr einen Gang herunterzuschalten. Wochen, ja Monate ohne große Höhepunkte. Die Gottesdienstgemeinde wird überschaubar – schließlich wollen auch Christinnen und Christen einmal Urlaub machen. An die Stelle klangvoller Namen wie „Weihnachten“, „Ostern“ oder „Quasimodogeniti“ tritt eine beinahe bürokratisch anmutende Liturgie: Vom 1. bis zum 22. Sonntag nach Trinitatis sind die Sonntage durchnummeriert wie die Tickets in den Händen der Leute im Warteraum des Bürgerbüros.
Nur Erntedank und Reformationstag sorgen zwischendurch für etwas Abwechslung, bevor das Kirchenjahr am Ewigkeitssonntag seinen Abschluss findet.
Da kann man sich schon fragen: Ist Trinitatis einfach die lange Pause zwischen den eigentlichen Festen?
Jesus erzählt ein Gleichnis, das erstaunlich gut zu diesem Eindruck passt:
Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. (Markus 4,26.27)
Von außen betrachtet geschieht zunächst nicht viel. Der Mensch geht seinem Alltag nach. Er steht auf, arbeitet, macht Feierabend und gönnt sich zwischendurch auch einmal ein paar Tage Urlaub. Es gibt ja auch nicht viel zu tun oder zu sehen. Das Land liegt unspektakulär da.
Gottes Werke, die von Dezember bis in den Frühsommer gefeiert werden, sind überwältigend: Er wurde Mensch, hat die Welt am Kreuz mit sich versöhnt, den Tod durch die Auferstehung überwunden und zu Pfingsten seinen Heiligen Geist gesandt.
Dagegen wirkt die Trinitatiszeit wie das Land im Gleichnis. Es scheint nicht viel zu passieren. Nacht folgt auf Tag folgt auf Nacht. Dem 8. folgt der 9. folgt der 10. Sonntag nach Trinitatis. Das Sommerloch des Kirchenjahres, bis endlich wieder die erste Kerze angezündet wird.
Und doch geschieht dort, unter dem scheinbar langweiligen Boden, das Entscheidende. Der Same keimt. Wurzeln breiten sich aus. Still und verborgen wächst neues Leben.
Die Trinitatiszeit erinnert uns daran, in welcher Zeit wir als Kirche leben: zwischen Jesu Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“ und seiner Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu.“
Das Heil ist vollbracht. Doch seine neue Welt ist noch nicht vollendet. Wir leben zwischen diesen beiden Verheißungen und erleben Gottes Reich im Wachstum.
In der Gemeinde – zwischen Kirche und Urlaubsparadies.
Im Glauben – zwischen den großen Fragen des Lebens und dem kurzen Gebet vor dem Grillabend.
Im Alltag – zwischen Einkaufsliste, Losungsheft und dem Versuch, den Koffer wieder ordentlich zuzubekommen.
Die Trinitatiszeit ist keine lange Pause zwischen den eigentlichen Festen. Sie spiegelt im Grunde unser Leben, das auch nicht nur aus Höhepunkten besteht, sondern voller gewöhnlicher Tage ist. Aber genau hier wirkt Gott Wachstum. Leise, verborgen und unaufhaltsam.
In den kommenden Wochen laden wir ein, dieses Dazwischen gemeinsam zu entdecken. Freut euch auf kleine Gedanken zur Trinitatiszeit – mitten aus dem Leben und mitten aus dem Evangelium.